Montag, 21. Januar 2019

[nähen] kleine Nadelkunde (welche Nadel für welchen Stoff)

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Hallo mein lieber DIY-Begeisterter,

vor ein paar Tagen wurde ich gebeten einen Beitrag oder auch Video zum Thema Nähmaschinennadeln zu machen. Welche Nadel für welchen Stoff und so weiter. Gerne komme ich diesem Wunsch nach, da es ein wirklich interessantes Thema ist, oder?

Neben einer Auflistung, welche Nadeln es für die Nähmaschine gibt und für welchen Stoff du diese eben verwenden kannst, möchte ich dir auch noch ein paar wichtige Hinweise, Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Diese findest du unter der Auflistung. 😉

kleine Nadelkunde – Nähmaschinennadel, so allgemein

Bevor ich dir nun eine Übersicht der einzelnen Nähmaschinennadeln gebe, möchte ich dir das Allgemeine näherbringen. Das, was alle Nähmaschinennadeln zunächst gemeinsam haben.

Was bedeutet 130/705?

Auf den Nadelpackungen steht zumeist die Zahl 130/705 drauf. Hast du dich schon mal gefragt, was das heißt? Diese Zahlenkombi gibt dir das Nadelsystem wieder und diese 130/705 ist so das gängigste Standardsystem bei Hausnähmaschinen. Dies ist das Flachkolben-System und bedeutet, dass der Nadelkolben (oberes Ende der Nadel) an der Rückseite abgeflacht ist.

Es gibt dann noch das Rundkolben-System mit der Systemnummer 287 WH, das wird aber bei den neuen Maschinen aber i.d.R. nicht mehr eingesetzt.

Was bedeuten die Buchstaben?

Auf den Nadelverpackungen gibt es aber auch noch Buchstaben, diese erkläre ich dir hier in der Aufstellung:

H = Hohlkehlform
H-E = Sticknadel
H-J = Jeans
H-M = Microtex
H-Q = Quilt-Steppnadel
H-S = Stretch
H-LL = Leder
H-SUK = Mittlere Kugelspitze (Stretch/Jersey)
H-ZWI = Zwillingsnadel
H-DRI = Drillingsnadel
MET = für Metalicgarn
H-WING = Flügelnadel für Hohlsaumstich
H-SPR = Federnadel

Was bedeutet die Nummer auf der Nadel?

Und dann gibt es ja noch auf den Nadeln immer eine Nummer! Wofür die da ist? Die gibt dir die Nadelstärke wieder. Die Nadelstärke wird immer als Kombination aus dem deutschen- und dem amerikanischen Maß auf den Nadeln angegeben. Beispiel der “Standard-Nadelstärke” 90/14 ist eine 90er Nadel. Die Nadelstärke wird immer in 1/100mm angegeben, also entspricht eine Nähmaschinennadel der Stärke 90 einer Nadelstärke von 0,9 mm.

Was bedeuten die Farben auf den Schmetz Marken-Nadeln*?

Und dann gibt es noch eine Besonderheit bei den Schmetz Marken-Nadeln. Die arbeiten nämlich mit Farcodes! Ich persönlich mag die Schmetz-Nadeln ja am Liebsten. Nicht wegen dem Farbcode, sondern weil ich sie von der Verarbeitung einfach gerne mag.

Die Nadeln haben i. d. R. zwei Farbringe. Der Erste gibt die Anwendung (also den Nadeltyp/Buchstaben von oben) wieder und der Zweite die Nadelstärke. Hier eine Tabelle für die Zuordnung der Farben.

AnwendungFarbeNadelstärkeFarbe
Universalohne60/8hellblau
Stretchgelb65/9weiß
Jerseyorange70/10grün
Jeansblau75/11rosa
Lederbraun80/12orange
Microtexlila90/14blau
Stepp-Nadelgrün100/16lila
Stick-Nadelrot110/18gelb
Netallicgarnrosa120/19braun
Nachstick-Nadelhellblau125/20schwarz
Spezial-Nadelnweiß30/21rot
Overlock-Nadelnschwarz

Feder-Stick-Nadel, Hohlsaum, Doppelöhr-Nadel, Öhrschlitz-Nadel haben ebenfalls keinen Farbring wie die Universal. 😉 Eine grafische Darstellung gibt es von Schmetz selbst. ACHTUNG beim KLICK auf den Link wird ein externes PDF gedownloadet! Ich übernehme keine Haftung dafür!

kleine Nadelkunde – welcher Nähnadeltyp für welchen Stoff?

Universalnadel 130-705 H

Diese Nähnadel ist so die Standartnadel. Sie ist vor allem für feste, nicht dehnbare Stoffe geeignet. Vorwiegend wird sie gerne für Baumwolle genutzt. Die Universalnadel hat eine leicht abgerundete Spitze, so dringt sie gut in viele Gewebe ein.

Jerseynadel 130-705 H-SUK

Wie es die Bezeichnung schon vermuten lässt, ist die Jerseynadel für Jersey prima geeignet. Sie hat eine stark abgerundete Spitze, dadurch werden die Stofffasern beim Einstechen verdrängt und nicht durchstochen. So wird verhindert, dass es zu Laufmaschen kommt.

Stretch/SuperStretchNadel 130-705 H-S

Zwischen Jersey und Stretch gibt es einen Unterschied. Die Stretchnadel hat eine halbrunde Kugelspitze und eignet sich für besonders elastische Stoffe. Dazu zählen u. a. Lycra (wird oft in der Bademode verwendet), Fleece und Viskosejersey.

Jeansnadel 130-705 H-J

Auch bei dieser Nadel ist der Name Programm und so wird sie für Jeans verwendet. Die Jeansnadel ist besonders spitz und hat einen verstärkten Schaft, so dass sie durch den dicken Jeansstoff problemlos kommt.

Ledernadel 130-705 H-LL

Eine Ledernadel ist für Leder. Logisch! 😉 Die Nadel hat eine spezielle, geschliffene Dreikantschneidspitze mit der sie feine Löcher in das Leder sticht. WICHTIG: Mit der Ledernadel niemals Stoff nähen, da die geschliffene Spitze die Gewebefäden durchtrennt und so zu Löchern führt. Hinweis: Stiche im Leder bleiben auch nach dem Auftrennen sichtbar, deshalb solltest du bei Leder gründlich nähen und das Auftrennen vermeiden. 😉 

Microtexnadel 130-705 H-M

Die Spezialnadel für folgende Gewebearten: Seide, Microfasergewebe wie z.B. Softshell, beschichtete Stoffe wie z.B. Wachstuch, Folien, Kustleder, etc. Sie hat eine besonders spitze, schlanke Spitze zum leichten Eindringen in sehr feine oder dicht gewebte Materialien.

Das sind so die gängigsten Nadeltypen. Natürlich gibt es noch mehr, aber diese hier werden so hauptsächlich verwendet und decken eigentlich alle Stoffarten ab. Bei speziellen Anforderungen solltest du dich auf jeden Fall noch einmal im Nähladen deines Vertrauens beraten lassen. 😉

kleine Nadelkunde – welche Nähnadelstärke für welchen Stoff?

Hier gibt es direkt keine genau Anleitung, aber einen Grundsatz! Je niedriger die Zahl, desto dünner die Nähmaschinennadel und desto dünner der zu vernähende Stoff. Außerdem ist das Loch entsprechend kleiner bei niedriger Zahl, so kann der Stoff weniger verletzt werden.

Ich verwende bei Jersey i.d.R eine 80er, bei Baumwolle eine 90er, Canvas eine 100er und bei Viskosejersey eine 70er. Leder nähe ich grundsätzlich nur mit 100er, auch wenn es dünneres Leder ist. Einfach weil beim Nähen mit Leder oft dann drei oder vier Lagen auch mal aufeinander kommen und da kommt man mit den dünneren Nadeln an seine Grenzen.

kleine Nadelkunde – Spezialnadeln

Es gibt aber noch Spezialnadeln, die lustige Effekte machen oder sehr nützlich sein können!

Nachstick- oder Topstitch-Nadel

Hier ist das Nadelöhr im Vergleich zu Standardnadelöhren besonders lang (2mm anstatt i.d.R. 0,4mm) und die Rille tiefer. Also besonders gut für dickere Garne, die nicht durch das normale Nadelöhr gehen würden.

Öhrschlitz-Nadel

Ein Segen für alle, die keinen Nadeleinfädler haben. Denn das Nadelöhr hat an der rechten Seite einen kleinen nach oben geneigten Schlitz, so dass der Faden nur rechts heruntergeführt werden muss um ins Öhr zu gleiten. Kein Schlecken und Quälen mehr! 😉

Metallic-Nadel

Diese Nadel ist dafür da, dass spezielle Fäden wie z.B. Metallicgarne keinen Schaden erleiden.

Döppelöhr-Nadel

Diese Nadel besitzt zwei übereinander angeordnete Öhre. Ideal, wenn du mit zwei Fäden Effekte erzielen willst, denn anders als beim Einfädeln zweier Fäden in ein Öhr ist hier die Fadenfolge immer festgelegt.

Zwillings-Nadel

Ein Kolben mit zwei Nadeln um Stiche nebeneinander zu erhalten. Der Nadelabstand kann zwischen 1,6 bis 4 mm variieren.

Drillingsnadel

Wie bei der Zwillingsnadel, aber eben mit drei Nadeln. Diese gibt es mit einem Nadelabstand von 2,5 und 3 mm, aber nur in der Nadelstärke 80 soweit ich weiß. Bei der Drillingsnadel musst du aber aufpassen, dass deine Stickplatte groß genug ist. Teste das vor dem Nähen unbedingt mit dem Handrad, ob die Nadelköpfe versengt werden können.

kleine Nadelkunde – Tipps, Tricks und Hinweise

Lebensdauer einer Nadel

Man sagt, dass eine Nadel nach 4-6 Nähstunden getauscht werden muss, da diese stumpf wird. Aber wenn deine Nadel z. B. auf eine Stecknadel trifft solltest du sie schon eher tauschen. Denn da kann sie auch stumpf werden oder gar etwas abbrechen bzw. verbiegen.

Dein Stichbild ist nicht sauber und lässt Stiche aus?

Das liegt zumeist an einer zu alten Nadel (siehe auch Lebensdauer). Eine stumpfe Nadel kommt nicht durch den Stoff und lässt so … logisch … Stiche aus. Also Nadel tauschen. Wenn deine Nadel neu ist und immer noch Stiche ausgelassen werden, solltest du die Maschine säubern. Auch unter der Stichplatte. Das löst es dann i.d.R. und wenn nicht, im Handbuch nachlesen oder mal zum Kundendienst bringen. Da sollte die Maschine sowieso bei Vielnähern jährlich und bei Wenignähern spätestens alle drei Jahre hin.

Dir reißt regelmäßig der Faden?

Das kann vielerlei Gründe haben, die Nadel ist aber oft nicht das Problem. Entweder die Fadenspannung passt nicht oder es liegt an sprödem Garn. Gerade billiges Garn ist oft spröde und ich persönlich verwende nur noch Markengarn von Ackermann oder Gütermann.

Warum bricht dir ständig die Nadel?

Der häufigste Grund bei brechenden Nadeln ist eine falsch gewählte Nadelstärke zum Stoff. Nicht nur dicke Stoffe sondern auch Nähprojekte mit dickeren Nahtkreuzungen oder vielen Stoffschichten müssen mit einer höheren Nadelstärke genäht werden.

Können spezielle Overlocknadeln etwas besonderes?

Spezielle Overlocknadeln halten die oft hohen Nähgeschwindigkeiten der Overlock und  auch Coverlock Maschinen aus. Allerdings kann in den meisten Overlock Maschinen auch normale Nähmaschinennadeln verwendet werden. Auch hier musst du auf die Nadelstärke und Nadelart achten.

So, das waren jetzt viele Infos, oder? Fehlt dir noch etwas? Dann frag mich gerne in den Kommentaren! 😉

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Liebe Eva,

    jetzt habe ich echt was gelernt, vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Den nehme ich doch direkt mal in meine Crafting Linktipps am Monatsende auf :).

    Lieber Gruß,
    Sonja

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