Montag, 15. Oktober 2018

[Näh ABC] P wie Paspel

Hallo mein lieber DIY-Begeisterter,

eigentlich ist das Näh ABC ja schon fertig, eigentlich! Denn im heutigen Beitrag zum noch offenen Buchstaben P des Näh ABCsdreht sich alles um die Paspel! Was ist das und wofür verwendet man sie, wie näht man sie ein? Wie macht man sie selbst? Geht das auch bei Jersey und wie macht man die dann selbst? Ein umfangreiches Wissen rund um die Paspel also! 😉

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Paspel – was ist das?

Eine Paspel, oder auch Keder genannt, ist ein Dekoelement beim Nähen und besteht aus einem Stoffstreifen, der der Länge nach gefaltet und im Inneren mittig eine Schnur platziert wird. Die Paspel wird ausschließlich an Nähten eingesetzt und dient auch dazu, diese zu verstärken. Wenn die Paspel eingenäht ist, sieht man an der Nahtlinie eine betonenden Wulst. Gerne wird die Paspel auch in einer Kontrastfarbe gewählt um so optisch eine Abgrenzung zu schaffen.

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Paspel – wofür verwendet man sie?

Die Paspel ist, wie schon oben erwähnt, ein überwiegend dekoratives Element. Allerdings wird oder wurde sie auch gerne als Stabilisierung an Nähten verwendet. So fand und findet man sie heute noch gerne an den Nähten von Kissen, damit die Nähte nicht ausfransen. Auch an Uniformen wurden gerne Paspeln gesetzt, damit diese an der Schwachstelle Naht widerstandsfähiger waren.

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Paspel – welche Arten gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Paspeln, aber der Aufbau einer Paspel ist immer gleich! Stoffstreifen, der mittig eben eine Schnur oder Kordel führt.

  • Paspel aus Webstoff, die also an festen Materialien wie Canvas, Baumwolle, Jeans, etc. angenäht werden kann. Einsatzgebiete sind: Kissen, Decken, Handtaschen, Kleidung aus festen Stoffen, etc.
  • Paspel aus Satin, die ebenfalls an festen Materialien angenäht werden kann. Einsatzgebiete wie bei der Paspel aus Webstoff.
  • Paspel aus Jersey, die also auch an elastischer Kleidung aus Jersey, Sweat, Jacquard, French Terry, etc. eingenäht werden kann. Einsatzgebiete: Kleidung, elastische Decken, etc.
  • Fake-Paspel: Dies ist eigentlich keine richtige Paspel, sondern ein Dekoelement, welches nur aus dem Band z. B. aus Bündchen besteht und eine schnelle Alternative ist, wenn man gerade keine Schnur zur Hand hat. Gerade bei Raglanärmeln an den Nähten zum Vorder- oder Rückenteil macht sich das sehr gut. Ein Tutorial zur Fakepaspel gibt es hier zum Ansehen.

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Paspel – wie mache ich sie selbst?

Sicher kennst du das auch, du hast ein Projekt geplant und findest nicht die passende Paspel. Oder du willst genau passend zum Stoff auch die Paspel haben. Kein Problem, denn du kannst sie mit wenig Aufwand leicht selbst herstellen.

nicht elastische Variante – du benötigst

  • Stoff deiner Wahl aus Webware, am Besten quadratisch
  • Kordel (die Dicke ist hier ganz individuell nach eurem Geschmack)
  • Schere, Zeichenstift und Lineal oder Rollschneider und Zubehör
  • Nähmaschine, Stecknadeln, passendes Garn
  • Reißverschlussfuß oder Paspel-/Kederfuß

nicht elastische Variante – so wird’s gemacht

Wichtig ist, dass Paspelband immer aus schräg zum Fadenlauf bestehendem Stoff hergestellt wird. Deshalb solltest du mit Punkt 1 und 2 starten. Wenn dir das natürlich zu viel Stoffverbrauch ist, kannst du einfach normal der Länge nach arbeiten und direkt bei Punkt 3 starten.

  1. Halbiere dir deinen quadratischen Stoff von einer Ecke zur gegenüberliegenden Ecke, so dass du zwei Dreiecke erhältst.
  2. Jetzt legst du diese an einer langen Kante rechts auf rechts aufeinander und steppst es ab.
  3. Schneide dir den Stoff nun zu ca. 3-4 cm breite Streifen zu. Die Breite ist etwas abhängig von der Dicke der Kordel.
  4. Die Streifen schrägst du nun im 45°-Winkel an der schmalen Seite ab und nähst sie zusammen, so dass eine lange gerade Bahn entsteht.
  5. ODER anstatt 3-4: du nähst die Stoffbahn vor dem Zuschnitt 3-4 cm versetzt aneinander und schneidest dann schräg dein 3-4 cm breiten Streifen in Runden. Das solltest du dann aber mit der Schere und nicht dem Rollschneider machen… ich mag lieber die andere Variante.
  6. Nun faltest und bügelst du dir den Streifen der Länge nach mittig.
  7. in die Mitte wird nun eine Kordel gelegt und der Stoffstreifen der Länge nach festgesteckt, so dass die Kordel nicht rausrutschen kann (geübte Näher/innen können das Stecken natürlich auch sein lassen und es an der Maschine per Hand führen)
  8. Jetzt legst du dir den Reisverschlussfuß oder Paspelfuß. Beim RV-Fuß stellst du dir die Nadel weiter nach außen und nähst dann knapp an der Paspel entlang, so dass diese gut fest sitzt. Beim Paspelfuß wird die Kordel direkt in einer Schiene geführt und du musst einfach so wie der Fuß eingelegt ist entlang steppen. Es empfiehlt sich eine längere Stichlänge im Übrigen.

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elastische Variante – du benötigst

  • Stoff deiner Wahl aus Jersey
  • Schere, Zeichenstift und Lineal oder Rollschneider und Zubehör
  • Nähmaschine, Stecknadeln, passendes Garn
  • Reißverschlussfuß oder Paspel-/Kederfuß

elastische Variante – so wird’s gemacht

Hier benötigst du keine Kordel, da du diese selbst aus einer Jerseynudel herstellst. Wenn du anstatt einer Jerseynudel ein Rundgummi verwenden willst, das geht auch und ist gerade bei Hodenbundabschlüssen eine nette Idee, überspringe Schritt 1-2 einfach.

  1. schneide dir einen oder mehrere 1 cm breiten Streifen zurecht. (Achtung, durch Schritt zwei ändert sich die benötigte Länge des Jerseys. Am Besten immer erst eine machen und dann weitere, bis die gewünschte Paspelband-Länge erreicht ist)
  2. jetzt dehnst du den Streifen der länge nach, indem du an den kurzen Seiten ziehst. Der Jersey rollt sich zu einer “Nudel” auf und jetzt hast du eine Jerseykordel. Die einzelnen Nudeln kannst du jetzt an den Enden einfach übereinander legen und mit ein paar Stichen fixieren, so dass du eine lange Kordel erhältst.
  3. schneide dir den Stoff für die Paspel nun zu ca. 3 cm breite Streifen zu.
  4. die Streifen schrägst du nun im 45°-Winkel an der schmalen Seite ab und nähst sie zusammen, so dass eine lange gerade Bahn entsteht.
  5. nun faltest und bügelst du dir den Streifen der Länge nach mittig.
  6. in die Mitte wird nun die Kordel gelegt und der Stoffstreifen der Länge nach festgesteckt, so dass die Kordel nicht rausrutschen kann (geübte Näher/innen können das Stecken natürlich auch sein lassen und es an der Maschine per Hand führen)
  7. jetzt legst du dir den Reisverschlussfuß oder Paspelfuß. Beim RV-Fuß stellst du dir die Nadel weiter nach außen und nähst dann knapp an der Paspel entlang, so dass diese gut fest sitzt. Beim Paspelfuß wird die Kordel direkt in einer Schiene geführt und du musst einfach so wie der Fuß eingelegt ist entlang steppen. Es empfiehlt sich eine längere Stichlänge im Übrigen und der normale Geradstich reicht völlig aus. Bitte hier keinen ZickZack verwenden, da es nur eine Hilfsnaht handelt.

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Paspel – wie nähe ich sie ein?

Zum Einnähen einer Paspel benötigst du den RV- oder Paspelfuß wieder oder auch die Ovi bei elastischer Kleidung, wobei das auch unsauber werden kann … geübte Näherinnen können auch hier wieder ein paar Schritte auslassen, aber sauberer wird es eben so!

  1. lege die Paspel mit der Stoffkante an die Kante der rechten Stoffsteite deines Stückes und stecke sie fest.
  2. jetzt steppst du dir die Paspel mit einem Geradstich so ab, dass du zwischen der Hilfsnaht (mit der die Kordel fixiert wurde) und der Kordel nähst. Das Stoffstück liegt mit der rechten Stoffseite und der festgesteckten Paspel nach oben.
  3. im Anschluss steckst du dir das zweite Stoffstück rechts auf rechts fest.
  4. nun steppst du beide Teile mit der innen liegenden Paspel fest. Dazu legst du dir den Stoff, an dem die Paspel schon festgenäht ist, nach oben und nähst wieder knapp an der Seite zwischen Naht und Kordel entlang. So wird verhindert, dass du die vorige Naht am fertigen Stück siehst.

Wenn du mit elastischer Paspel und elastischem Stoff arbeitest solltest du hier dann bitte auch einen elastischen Stich wählen. Bei Punkt 2 empfehle ich dir auch mit der normalen Nähmaschine zu nähen und erst bei Punkt 4 mit der Overloch zusammenzunähen. Dabei solltest du darauf achten, dass die Kordel nicht eingenäht wird aber auch die Naht nicht mehr sichtbar ist. Es ist etwas schwierig und gerade als Anfänger würde ich dir empfehlen diese Nähte immer mit der normalen Maschine zu machen! So geht nichts … oder nur weniger … schief! 😉

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Paspel – wie nähe ich über Eck?

Um über eine äußere Ecke zu nähen, gehst du wie folgt vor:

  1. stecke dir die Paspel mit der Stoffkante auf die rechte Stoffseite deines Stückes fest bis zur Ecke
  2. an der Ecke machst du einen Knips bis knapp vor der Hilfsnaht, mit der die Kordel fixiert ist. Verletzte diese Naht aber bitte nicht, da sonst der Stoff franst oder sogar die Kordel sichtbar wird.
  3. nun knickst du die Paspel um die Ecke und steckst sie weiter fest.
  4. beim Festnähen gehst du wie oben erklärt vor, außer dass du bei der Ecke angekommen die Nadel versenkst, den Nähfuß anhebst und dann das Stück so wendest, dass du weiter gerade nähen kannst.

Da ist der ganze Trick dabei! 😉 Leicht, oder?!

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Paspel – dir fehlt noch etwas?

Fehlt dir noch was zur Paspel? Dann ergänze es gerne selbst oder schreibe mir im Kommentar, was dir noch fehlt und ich werde es schnellst möglich versuchen nachzuarbeiten.

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So, damit ist das Näh ABC jetzt aber komplett! Die Bilder habe ich dir einfach in den Beitrag gepackt, es zeigt teilweise auch schon etwas höher die jeweiligen Einnähschritte. Aber ich bin ja froh, dass ich die Bilder machen konnte. Was das da genau wurde, das zeige ich dir auch noch. Ich muss aber noch Bilder (muss ich wohl ziemlich oft) machen, denn der Text und die Idee dazu ist schon längst im Kopf fertig verbloggt. Kennst du so was?! 🙂

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