Montag, 20. Februar 2017

Montagstalk: Tipps & Tricks zum Erstellen von Schnittmustern und Anleitungen (Teil 2)

Hallo meine lieben Nähbegeisterten,

bereits vor zwei Wochen habe ich euch bereits ein paar Tipps & Tricks zum Erstellen von Schnittmustern mit auf den Weg gegeben. Heute ist die Erstellung der Anleitung dran! Auch hier gibt es das ein oder andere nützliche von mir für euch. 😉

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Auch beim Anleitung schreiben und erstellen habe ich die letzten Jahre so einige Erfahrungen gesammelt. Einiges mache ich anders wie früher, einiges ist gleich geblieben. Hier mal die wichtigsten Eckpunkte für euch, die euch helfen können und sollen!

Wo schreibe ich meine Anleitung?

Ich persönlich bin ein großer Fan von google Docs! Meine Anleitungen werden online geschrieben und ich liebe die Funktionen dort einfach. Außerdem hat es den Vorteil, dass man auch überall daran arbeiten kann. An fremden Rechnern, in der Arbeit (was ich natürlich jetzt persönlich nicht mache, dafür wäre gar nicht die Zeit und das gehört sich normal nicht … aber das muss ja jeder selbst entscheiden! 😉 ), in der Bibliothek, Internetcafe, Handy, Tablet, etc. Man braucht eben nur einen Internetzugang und sein Google-Passwort! 😉 Einfach praktisch!

Aber es geht auch sehr gut in Open Office oder Word. Oder einem anderen Schreibprogramm. Bildprogramme oder Publisher-Programme finde ich persönlich dafür jetzt nicht so gut. Zu kompliziert. Aber probiert es einfach mal aus! 😉

Wie baue ich meine Anleitung auf?

Eine Anleitung sollte klar gegliedert sein. Ähnlich wie ein Aufsatz sollte sie mehrere Elemente enthalten:

  • Deckblatt mit Titel und Angaben z. B. zur Größe und Ersteller
  • Inhaltsverzeichnis (kein Muss aber ganz gut für einen Überblick)
  • etwas über den Schnitt und die Anleitung
  • Hinweise zum Ebook (Welche Formatierungen, etc. zeigen was an, ist die Nahtzugabe enthalten, wie muss ausgedruckt werden, usw.)
  • Materialliste
  • Maßtabelle und Stoffverbrauch (auch kein Muss aber hilfreich)
  • die Anleitung an und für sich
  • rechtliches (wie darf das Ebook verwendet werden? Wer hat das Urheberrecht?)

Welche Hilfsmittel sind zum Erstellen der Anleitung hilfreich?

Ich persönlich arbeite sehr gerne mit einem Block neben dem Nähen des Schnittmusters und auch neben dem Schreiben am Laptop. Dort notiere ich mir alles wichtige. Was noch mit in die Anleitung rein muss, was beachtet werden sollte und so weiter.

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Dann ist eine gute Kamera (ich empfehle eine DSLR) für die Bildanleitung unbedingt nötig. Auch die Bilder müssen ja gut aussehen und gut erkennbar sein! Außerdem benötigt ihr natürlich noch ein Bildbearbeitungsprogramm! Dafür verwende ich ein Mal Picassa sowie den Adobe Photoshop, allerdings eine ältere Version.

Natürlich sind auch immer Kaffee, Tee, Schokolade oder sonstiges Nervenfutter hilfreich! 🙂 Und natürlich die Probenäher, wenn es sich um Kleidung handelt. Denn man kann ja nicht alle Größen abdecken. Auch bei aufwendigeren Anleitungen zu Taschen und Co. empfehle ich immer ein Probenähen! So kann man sicher sein, dass Anleitung und auch Schnitt passen. Gerade wenn man die Anleitung dann verkaufen will!

Bilder erstellen und bearbeiten

Die Bilder mache ich immer beim Nähen. Zumeist fotografiere ich einfach jeden Schritt beim Nähen. Am Ende sind es immer viel zu viele Bilder, aber besser zu viele wie zu wenige! Das ist ein wichtiger Grundsatz!

Bei der Auswahl des Stoffes für die Bilder solltet ihr auch vorsichtig sein. Ich habe gelernt, dass dunkle Stoffe oder wilde Muster schwer zu erkennen sind. Außerdem empfehle ich gerade bei Kleidung immer einen Stoff, der sich gut von der rechten und linken Stoffseite unterscheidet. Oder ihr markiert dann bei der Bildbearbeitung genau, welche Seite das eben ist! Wichtig! Sonst kommen die Näher/innen durcheinander oder ärgern sich.

Noch ein wichtiger Grundsatz ist nämlich: Als Anleitungsersteller bist du Dienstleister! Ein Dienstleister muss immer das Wohl des Kunden im Auge haben … also das der Näher/innen! 😉

Das Schießen der Bilder mache ich so, dass diese gut ausgeleuchtet sind. Der Hintergrund sollte ruhig sein und vor allem nicht unordentlich! Macht einen schlechten Eindruck. Ich mache die Bilder immer auf der Schneidematte oder auf unserem Esstisch (siehe Bild unten). Die Bilder mache ich immer von Oben-Ansicht und selten von der Seite. Das ist ziemlich neu und aber wesentlich besser. Damit das geht, stelle ich mich auf einen Hocker oder Stuhl und schaue, dass es schön von oben her fotografiert ist. So erkennt man es einfach besser.

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Wenn die Bilder im Kasten sind, heißt das aber nicht das sie fertig für die Anleitung sind! NEIN! Denn jetzt kommt der spaßige Teil! Die Bilder müssen noch bearbeitet werden. Farbkorrektur, Kontrasteinstellung, Markierungen (wie z. B. rechte oder linke Stoffseite; Nahtlinien, wo genäht werden muss, etc.) und auch das Bild selbst zuschneiden kann nützlich sein. Text oder Pfeile darauf ist manchmal auch hilfreich! Aber bitte nicht zu viel und zu überladen! Es sollte alles gut erkennbar sein und vor allem verständlich.

Wie schreibe ich meine Anleitung?

Hier ist es wichtig, dass ihr ordentliche Sätze baut. Die nicht zu lang und aber auch nicht zu knapp sind. Alle wichtigen Angaben sollten zu jedem Bild gut und verständlich geschrieben werden. Absätze sind auch wichtig, wenn es etwas mehr Text ist.

Außerdem gliedere ich die Anleitung auch nochmal ein bisschen mit Überpunkten. Z. B. bei einem Oberteil: Nähen der Schulternähte, Einnähen der Ärmel, Schließen der Seitennähte, Säumen der Abschlüsse, etc.

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Hier mal oben ein Beispiel. Dort seht ihr gut die Überschrift des Punktes, die Bilder mit Markierungen und auch den entsprechenden Text dazu.

Schreibt die Anleitung bitte so, dass auch ein Anfänger gut damit zurecht kommt! Denkt daran keine Abkürzungen zu verwenden (oder macht ein Abkürzungsverzeichnis dann eben ins Ebook). Viele Abkürzungen kennen Anfänger noch nicht. Auch Sachen, die für dich klar sind, sind für Anfänger z. B. noch nicht klar! Deshalb schreibe auch unbedingt dazu, mit welchem Stich genäht werden sollte, das verriegelt werden muss, die genauen Abstände beim Säumen, etc. Anleitungen, die für Anfänger nicht verständlich sind, verderben ihnen den Spaß und erhöhen den Frustfaktor! Und das wollen wir ja nicht, es ist ja ein tolles Hobby, oder?

Komprimieren von großen Dateien

Die Anleitung solltet ihr unbedingt als PDF speichern. Das geht z. B. mit PDF-Druckern, Open Office gibt das automatisch als Funktion her oder es gibt auch Seiten im Internet, wo man sich das wandeln kann. Zum Beispiel hier bei Smallpdf.

Große Dateien (alles, was über 4 MB geht ist zu groß zum Download! Nicht jeder hat gutes Internet und wenn über das Handy von irgendwo gedownloadet wird, klaut das zu viel Datenvolumen!) sollten unbedingt komprimiert werden!!! Das geht z. B. auch bei Smallpdf (allerdings nur zwei Mal die Stunde) oder hier bei PDF Compressor. Letzterer nutze ich gerne,  da er kein Limit hat aber da gehen größere Dateien manchmal nicht, weshalb ich dann im Zweifelsfall den anderen verwende.

Allgemein rechtliches!

Allgemein möchte ich hier nochmal erwähnen, dass man für den Verkauf von Anleitungen ein Gewerbe braucht. Das fällt nicht unter Hobby-Verkauf oder ähnliches! Man benötigt mindestens ein Kleingewerbe! Da muss man sogar noch nicht mal Steuern dafür laufend zahlen, weil man als Kleingewerbetreibender bis zu einer gewissen Summe davon befreit ist. Aber es ist wichtig! Die Regelung „Zahlt mir was ihr wollt!“ ist übrigens keine Ausschluss von einer Gewerbeanmeldung! Alles, was ohne Gewerbe erwirtschaftet wird ist „Schwarzarbeit“ und somit eine Straftat, die geahndet wird. Nicht nur teuer werden sondern auch nette Einträge ins Führungszeugnis machen kann.

Freebooks sind natürlich auch so für jeden möglich zu veröffentlichen, wenn man daraus keinen geldlichen oder sachlichen Vorteil hat. Denn Freebooks im Gegenzug für z. B. „Schick mir einfach mal einen Meter Stoff als Dank!“ könnten unter Umständen auch ein Gewerbe benötigen.

Es gibt dafür rechtliche Beratungsstellen, die meistens auch durch Vereine finanziert werden und nur für Beratung nichts kosten. Sichert euch bitte ab und riskiert nichts! Vor allem ist es nicht fair gegenüber denen, die es ordentlich machen und anmelden, Kosten auf sich nehmen und so weiter.

Das Verkaufen bzw. Anbieten von Anleitungen

So, das ist auch so ein Punkt der wichtig ist, oder? Hier muss man ganz klar unterscheiden zwischen Freebook und Ebook!

Freebooks

Die könnt ihr z. B. als Dateidownload (bitte im PDF-Format, schützt euch und ist einfacher für alle zu öffnen) auf eurem Blog (manche Blogs lassen das direkt zu wie z. B. bei WordPress oder ihr speichert sie in google Drive oder der Dropbox und erzeugt einen Link zur Datei, auf die jeder zugreifen kann) oder Facebookseite (dort kann man die Datei direkt hochladen, praktsich. ABER alles was auf FB ist, gehört dann auch irgendwie FB … auch Bilder. Lest euch mal das Rechtliche von denen durch, echt gruselig!) anbieten.

Es gibt aber auch Plattformen, wo man das anbieten kann. Die da wären z. B. Crazypatterns, MyPatterns, Handmadekultur oder auch Makerist. DaWanda ist hier ungeeignet, da man dort keine Freebooks „verkaufen“ kann … soweit ich weiß.

Ebooks

Entweder ihr habt einen eigenen Shop wie ich, den man sich auch kostenlos mit WordPress erstellen kann. Auch als Laie! Oder ihr nutzt eben die Platzformen wie Crazypatterns, MyPatterns, Makerist oder auch DaWanda. Hier ist es so, dass ihr aber Gebühren auch zahlen müsst. Die Seiten müssen ja auch was verdienen.

Ich persönlich finde Crazypatterns ganz gut, da zahlt man nur wenn tatsächlich gekauft wird und es geht alles automatisch. Bei DaWanda muss man vorab schon etwas zum Einstellen bezahlen sowie dann nochmal Gebühren, außerdem muss man noch einen Drittanbieter für den automatischen Download der Datei anbinden. Das nervt nur und ich mag DaWanda ehrlich gesagt auch nicht mehr wirklich und kaufe selbst da auch so gut wie gar nichts mehr. Aber das ist meine Meinung!

Noch offene Fragen?

Wenn ihr jetzt noch Fragen zu diesem Thema habt, dann schreibt mir gerne einen Kommentar oder wendet euch per Mail oder Kontaktformular an mich. Ich versuche dann eure Fragen so gut wie möglich zu beantworten! 😉

4 Kommentare

  1. sonja sagt:

    Liebe Eva,
    danke, dass du deine Erfahrungen hier so offen teilst!
    Ich finde deine Herangehensweise sehr gut strukturiert – den Tipp mit möglichst ungemusterten Stoffen für die Anleitung nehme ich mir mal zu Herzen *lach*.

    Bei mypatterns wird übrigens ahnlich abgerechnet wie bei crazypatterns. Und ich könnte noch hinzufügen, dass diese Plattformen super sind um neue Kunden zu erreichen, aber ohne eigenes marketing sich kein ebook verkauft – das ist bisher so meine Erfahrung. Man muss dranbleiben und sich zusätzlich zum blog am besten auch auf den Plattformen bei Werbeaktionen mitmachen. Wenn man z.b. kostenlos in den newsletter aufgenommen wird, ist das super.
    Und es ist auch gut, wenn man sowohl ebooks als auch freebooks anbietet um den eigenen Namen bekannt zu machen. 🙂

    Und dawanda… Ja, das sehe ich auch so, das ist schon ne sehr große kommerzmaschine , aber nicht auf dawanda zu sein ist auch nicht gut. Ich verzichte da übrigens auf den automatischen download und versende ebooks per mail. Länger als eine Nacht musste bisher auch keine Kundin warten, das geht also, wenn man jetzt nicht 100 ebooks am Tag verkauft. Der Vorteil von dawanda ist auch: fast jeder kreative hat dort einen account, und für mich als Verkäufer hab ich dort die wenigsten Abzüge, also gerade mal 10ct Gebühr + konto- oder PayPal-gebühr. Das sind dann meist 1€ pro verkauftem ebook. Bei den anderen Verkäufe ich am besten, wenn ich Rabatte mache, und von dem preis werden dann noch durchschnittlich 2,50€ abgezogen. Bleibt pro Verkauf ein Erlös von ca. 2,50€…

    Tja… Also reich wird man so nicht ;).

    LG,
    Sonja

    1. Liebe Sonja,

      danke für deinen schönen und ergänzenden Kommentar!

      Ja, ich gebe dir Recht! Man muss dennoch regelmäßig Werbung machen für die eigenen eBooks, sonst verkaufen sie sich auch nicht. Auch das mit den Freebooks und eBooks ist so, das habe ich auch schon gemerkt.

      Gut, auch etwas über mypatterns zu wissen! Da möchte ich demnächst auch noch hin … wenn ich Zeit finde! 🙂

      Da mit DaWanda habe ich bislang noch nicht so betrachtet, dass man das ja auch alles manuell machen kann. Klar, das geht auch! Als ich meine eBooks auf DaWanda eingestellt hatte … das ist aber auch schon ein gutes Jahr her … musste man eine Stückzahl angeben und dann entsprechend pro Stückzahl vorab Gebühren schon bezahlten. Außerdem dann noch bei Verkauf eine Provision. Gerade das mit den Gebühren vorab war mir ehrlich zu doof, zumal ich keines der eBooks im Zeitraum verkauft hatte und somit Verlust hatte. Das hat mich ziemlich geärgert. Das man, wenn man natürlich das eBook verkauft im Zeitraum, da günstiger weg kommt … davon wusste ich jetzt z. B. noch gar nichts. Aber auf jeden Fall interessant!

      Man muss aber natürlich auch die Kosten für Gebühren, etc. am Besten in den Verkaufspreis einrechnen. Aber ja, reich wird man beim Verkauf von eBooks nicht! Vor allem nicht, wenn man unbekannter oder kleiner ist. Leben kann man davon aber wirklich nicht! Aber es macht ja auch Spaß, die eBooks zu erstellen, oder?! Auch wenn man da nicht nachrechnen sollte, wie viel Stundenlohn man da im Endeffekt bekommt. Das rechnet sich auf jeden Fall nicht!:)

      ❤️-lichst Eva

      1. Hallo Eva,

        die Verkaufprovision bei Dawanda hatte ich vergessen – stimmt, die kommt dazu, und natürlich zahlt man die Einstellgebühren für drei Monate. Wenn man in der Zeit nichts verkauft, macht man Verlust, das ist wahr.
        Außerdem kommen eventuelle Logenplatzbuchungen dazu…

        Wie gesagt, es ist eine Kommerzmaschine. Trotzdem hat man als Designer den Vorteil dort gefunden zu werden, weil es neben Makerist DER Markt ist und die Zielgruppe flächendeckend dort einen Account hat. Das kauft man mit den Gebühren und Provision eben mit ein!

        Den Königsweg gibt es beim Verkauf von ebooks leider nicht. Man muss echt hinterher sein um irgendwie im Internet „aufzufallen“. Machmal helfen dann auch Glück und Zufall – hab ich jedenfalls so erlebt.

        Lieber Gruß,
        Sonja

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