Montag, 6. Februar 2017

Montagstalk: Tipps & Tricks zum Erstellen von Schnittmustern und Anleitung (Teil 1)

Hallo meine lieben Nähbegeisterten,

heute gibt es mal wieder ein Thema, bei dem ich euch ein paar Anregungen, Tipps und Tricks mit auf den Weg geben möchte. Seit ungefähr 1 ½ Jahren mache ich selbst nun Anleitungen (Freebooks und Ebooks) und ich habe mich selbst damit in dieser Zeit viel beschäftigt und mich auch selbst hier weiterentwickelt. Diese Erfahrungen möchte ich nun gerne mit euch teilen und so auch die „Angst“ vor dem Erstellen kleinerer (oder auch größerer) Anleitungen und (Fre)ebooks für Neulinge in dem Gebiet nehmen.

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Vorweg, dies hier sind meine Erfahrungen und Hilfestellungen. Dies ist für mich so der richtige Weg, wie ich ihn gehe. Aber sicherlich nicht für jeden die goldene Faustregel. Gerne könnt ihr eure Tipps und Ideen in den Kommentaren ergänzen. 😉

Meine Tipps & Tricks sind für das Erstellen von Schnitten und den Anleitungen gedacht, die dann in PDF-Form zur Verfügung gestellt werden können. Sicherlich kann das ein oder andere auch auf Beiträge für Blogs angewendet werden, aber in erster Linie möchte ich hier in die Dateiform gehen. Bitte beachtet: Wenn ihr Anleitungen (auch wenn es nur ein paar Euro sind) verkaufen wollt, benötigt ihr mind. ein Kleingewerbe. Einfach so verkaufen geht nicht und kann euch auch ganz schön um die Ohren fliegen! Alle Informationen zum Kleingewerbe könnt ihr euch bei euer Stadtverwaltung oder Gemeinde holen, diese Infos sind immer genauer wie das WWW. 😉

Den Beitrag teile ich in zwei Beiträgen, da es einfach sonst zu viel an Informationen und auch an Länge des Beitrags ist. Heute geht es um die Schnittmustererstellung und dann in zwei Wochen um die Anleitung! 😉

Schnittmuster erstellen

Ich selbst habe begonnen mit dem Zeichnen auf Papier und dem Einscannen. Dies ist eine gute Möglichkeit schnell und einfach Schnitte zu erstellen und auch für die Anleitung bereitzustellen. Man kann gleich alle relevanten Daten (Fadenlauf, Kontrollkästen, etc.) mit aufschreiben.Später, als ich auch begonnen habe Kleidung zu zeichnen, bin ich immer mehr in das digitale Zeichnen gegangen. Heute wird fast alles digital gezeichnet, nur wenige Sachen wie Applikationsvorlagen oder Symbole zeichne ich noch per Hand und scanne sie ein.

1. Schnittmuster per Hand zeichnen

Ich empfehle euch das Zeichnen per Hand tatsächlich nur bei kleineren Sachen wie Taschen, etc. Kleidung würde ich immer digital zeichnen bzw. dann digitalisieren.

Warum? Ganz einfach! Alles, was über eine DIN A4 Seite groß ist, muss Klebekanten bekommen. Diese sind per Hand wirklich schwer hinzubekommen (meine Erfahrung). Man muss an den Druckerrahmen denken (viele Drucker können nicht näher wie ca. 1 cm an den Papierrand drucken), die Klebekanten genau anzeichnen und die Blätter so rutschfest hinlegen, dass man gut zeichnen kann. Alles in allem nicht so einfach! Kleinere Sachen, die dann eben doch zwei oder drei Seiten benötigen gehen noch, aber gerade Erwachsenenkleidung geht immer über viel mehr Seiten. Das ist einfach nicht korrekt machbar dann, finde ich.

Warum nicht in DIN A3 oder größer zeichnen? Das ist auch ziemlich simpel! Man hat zu Hause in der Regel nur einen Drucker und Scanner, der eben DIN A4 drucken und scannen kann. Da wäre alles größer schwierig. Klar gibt es Läden, wo man dies machen kann. Aber dann müssten eben auch die Näher(innen) dies im Laden dann in der Größe drucken lassen. Ich glaube, dass das die Wenigsten von uns machen. Dann wäre also die ganze Arbeit der Anleitung und des Schnittes um sonst gewesen.

So nun zum eigentlichen Zeichnen:

Ihr benötigt DIN A4 Blätter, Bleistift(e), ggf. Buntstift(e)sowie ggf. Filzstift(e) und einen gut erkennbaren Fineliner. Außerdem ist ein Lineal und Geodreieck, Zirkel, Radiergummi und Spitzer immer ganz praktisch.

Macht euch zunächst eine Skizze, wie das Teil aussehen sowie wie groß es auch sein soll. Also z. B. bei einer Tasche: Zeichnet euch ein Bilder der ganzen Tasche. Der nächste Step ist, dass ihr die Tasche nun in die Einzelteile skizziert. Welche Teile benötigt ihr dafür? Z. B. Vorderteil, Rückenteil, Seitenteil, Klappe, etc. Hier ist auch gut, wenn ihr die einzelnen Maße wieder notiert sowie die Nahtzugaben (insofern ihr mit Nahtzugabe zeichnen möchtet) ebenfalls mit dazu schreibt. Also z. B. Rückenteil 10 cm auf 15 cm ohne Nahtzugabe = 12 cm auf 17 cm mit Nahtzugabe.

Wenn ihr diese beiden Sachen skizziert habt, könnt ihr mit dem eigentlichen Schnitt zeichnen beginnen. Natürlich müsst ihr nicht skizzieren, aber es erleichtert das Arbeiten doch enorm, gerade wenn man im räumlichen Denken nicht soooo fit ist.

Zeichnet euch eure Teile nach der zweiten Skizze genau auf das Papier. Zeichnet euch (wenn gewünscht) dann die Nahtzugaben separat ein, so dass man diese auch gut erkennen kann. Dies ist immer besser, da die Meinungen zu dem Anzeichnen von Nahtzugaben sehr auseinander geht…

Wenn die Teile entsprechend gezeichnet sind, könnt oder solltet ihr jetzt auch die einzelnen Teile beschriften. Was ist das für ein Teil? Wie oft benötigt ihr es? Gibt es einen Bruch, der beachtet werden muss? Außerdem ist ein Kontrollkästchen immer ganz gut, so dass die Näher(in) überprüfen kann, ob der Ausdruck tatsächlich korrekt ist.

Ihr könnt aber auch die Beschriftung nach dem Scannen mit entsprechenden Programmen machen. Ich selbst beschrifte meine Schnittmuster (egal ob digital oder händisch gezeichnet) immer gerne mit dem Programm PDF Exchange Editor, welchen es auch als Freeversion gibt. Einige Funktionen sind aber nicht in der Freeversion verfügbar, aber mir reichen die in der kostenlosen Variante durchaus aus. Hier ist aber gesagt, dass man sich mit dem PC und auch Arbeiten mit Programmen schon etwas auskennen muss.

Wenn alles fertig ist, scannst du dir die Seiten nun als PDF ein und speicherst sie ab.

2. Schnittmuster digitalisieren

Es gibt auch die Variante, das man Schnittmuster per Hand zeichnet, einscannt und dann digitalisiert. D. h. das gezeichnete dann nochmal am PC nachzeichnet anhand der gezeichneten und gescannten Vorlage.

Dies finde ich persönlich aber als doppelte Arbeit, aber viele machen das! Hierfür gibt es z. B. bei Mamahoch2 gibt es da einen schönen Artikel über das Programm Inkscape, welches ebenfalls kostenlos ist.

Ich selbst habe auch mit dem Programm schon mal gearbeitet und kann es durchaus empfehlen, aber irgendwann gab es mir nicht mehr genug her, so dass ich doch zu einem anderen gewechselt bin.

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3. Schnittmuster digital zeichnen

So, das ist dann schon eher die Profiecke! Das Schnittmuster wird komplett nur am PC gezeichnet! Dafür gibt es die verschiedensten Programme, auch mit dem oben erwähnten Inkscape ist dies möglich. Es gibt aber auch diverse andere Programme, wie z. B. von Adobe (kostenpflichtig).

Mein eigenes Programm ist eine BETA-Version, die von Programmieren privat entwickelt wird und sich zwei Mal im Jahr verändert. Es ist alles noch nicht 100 % ausgereift, alle Tutorials nur auf Englisch (im Fachjargon) und so einiges (wie z. B. die Beschriftung oder das genaue positionieren auf dem späteren Ausdruck sowie das Drucken mit mehreren Größen auf einer Datei) ist noch nicht möglich. Aber ich arbeite sehr gerne damit, da es mir sehr viele Möglichkeiten bietet! Unter anderem das automatisch Gradieren (also vergrößern) der Kleidungsschnitte. Ich zeichne nur eine Größe und an Hand von angelegten Maßtabellen errechnet das Programm die kleineren und größeren Größen. Sehr praktisch! Auf Nachfrage kann ich euch das Programm gerne nennen, hier im Beitrag möchte ich es nicht öffentlich schreiben.

Warum? Einfach weil ich mir hier ein bisschen die Art des Programms als Schnittmusterdesignerin für mich bewahren möchte und nicht auf ein Mal eine Flut an Hand dieser speziellen Art im Web produzieren möchte. Ja, da bin ich gerade etwas egoistisch! Ich weiß das auch, aber manchmal muss man das auch mal sein.

Wenn man digital zeichnet muss man sich natürlich auch eine Skizze des eigentlichen Teils machen. Die Skizze der einzelnen Teile kann man da aber weg lassen, da man am PC alles immer wieder gut verändern kann. Ich selbst bin mittlerweile sogar soweit, dass ich die Schnitte im Kopf entstehen lasse ohne Skizze und sie dann einfach nur noch im Programm zeichne. Das ist natürlich aber auch wieder nicht für jeden etwas!

Zum digitalen Zeichnen ist es vor allem wichtig, dass man das Gezeichnete dann wieder in DINA A4 ausgeben kann. Wenn es mehr wie eine Seite ist, dass das Programm dies eben dann mit Schnittkanten ausgeben kann. Das kann auch nicht jedes Programm! Ist aber eben sehr, sehr wichtig.

Wie auch schon beim händischen Zeichnen ist auch beim digitalisierten oder digitalen Zeichnen die Beschriftung extrem wichtig! Dies können einige Programme direkt schon, oder ihr benutzt dafür eben dann ein zweites (siehe oben bei Punkt 1: z. B. PDF Exchange Editor) um das ausgegebene PDF zu beschriften. So mache ich das momentan auch noch, bis meine BETA dann eben mal soweit ist … vielleicht im Sommer schon?! Wer weiß?!

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4. Die Beschriftung

Die Beschriftung habe ich oben ja schon mehrfach erwähnt. Jetzt möchte ich euch noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, welche Beschriftungen wichtig sind, welche praktisch sind und so weiter. Dies dient nur als Hilfestellung und jeder muss für sich selbst entscheiden!

Kontrollkästchen: Dies ist extrem praktisch, damit man nach dem Druck weiß, ob alle Maße passen. Einige Programme können so etwas automatisch mit ausdrucken, bei anderen zeichnest du das Kästchen einfach mit ein. Ich selbst habe früher auch das Kästchen gezeichnet, aber mittlerweile gebe ich es erst bei der Beschriftung mit an. Warum? Weil mein Programm das Kontrollkästchen gerne gedreht hat oder es nicht auf die erste Seite gepackt hat. Das ist natürlich blöd. Wie groß das Kontrollkästchen ist, ist jedem selbst überlassen. Meistens ist es quadratisch und 5 cm auf 5 cm. Aber auch einer, drei oder sogar 10 Zentimeter sind so gängige Größen.

Seitenanzahl und Angabe der Position: Die Seitenzahl ist durchaus wichtig, wenn man mehrere Seiten hat. So kann man gleich auf einen Blick sehen, ob der Drucker alle gedruckt hat bzw. auch, wo bestimmte Teile eben an Hand der Seiten drauf sind. (Man kann z. B. in der Anleitung mit angeben, auf welcher Seite welches Teil beginnt). Außerdem ist es auch praktisch, wenn man die Angabe der Position des Blattes beim Kleben mitgibt. Bei mir heißt das vom Programm her Grid (also Gitter bzw. Raster) und das beschreibt es auch ganz gut! Ich habe eine Zahl für die Reihe der Blätter und die zweite gibt die Position des Blattes in der Reihe an. So tut man sich beim Kleben einfacher.

Bruch: Wichtig ist auch die Angabe, ob und wo sich eine Bruchkante befindet. Was genau eine Bruckante ist, kann man HIER bei Funfabric gut nachlesen.

Faden- und Musterlauf: Auch sehr wichtig! Denn bei manchen Teilen kann man nicht erkennen, wie später der Fadenlauf oder auch Musterlauf sein wird. Gebt das am Besten mit einem Pfeil an und schreibt eben daneben, ob es ein Faden- und/oder Musterlauf ist.

Beschriftung des Teils: Jedes Schnittmusterteil sollte beschriftet werden, damit man genau weiß um welches Teil es sich handelt. Außerdem ist es immer gut, wenn man die Größe des Teils angibt. Z. B. wenn man bei Kleidung verschiedene Größen hat.

Schnittangaben: Auch eine gute Idee, aber durchaus kein muss. Die Angabe, wie oft das Teil und auch aus welchen Stoffen, Vliesen, etc. es ausgeschnitten werden muss. Dies kann man natürlich auch in die Anleitung schreiben, aber so auf dem Schnitteil selbst ist es extrem praktisch und man muss die Anleitung nicht zur Hand haben.

Angabe der Nahtzugabe: Die Angabe, ob und mit wie viel Nahtzugabe das Schnittteil gezeichnet wurde ist auch wichtig, aber wiederum nicht unbedingt ein muss. Ich empfehle euch aber es zu vermerken ob mit oder ohne Nahtzugabe gezeichnet wurde. So ist es einfacher und man muss die Anleitung nicht nochmal durchforsten. Wenn man es ohne Nahtzugabe gezeichnet hat, ist ein Hinweis „Bitte Nahtzugabe hinzufügen!“ oder „Bitte Nahtzugabe nicht vergessen!“ sehr gut, so gibt man dem Näher(in) gleich nochmal einen Hinweis mit.

Logo und Bloglink: Wenn du ein Logo und/oder Blog hast, gib das ruhig mit auf dem Schnittmuster an. Das ist Werbung für dich, das Schnittmuster kann später beim Feedback bzw. beim Empfehlen der Näher(in) besser zugeordnet werden und auch das Suchen der Anleitung am PC erleichtert das so extrem.

Hinweis zu Nutzungsrechten: Du kannst auch den Hinweis zu Nutzungsrechten (also ob nur privat, in kleinen Mengen auch gewerblich, etc. genäht werden darf) mit auf das Schnittmuster oder das Schnittteil geben. Gerade bei kleineren Teilen, die man gerne mal auch verkaufen könnte, finde ich das hilfreich! Meine Schnitte z. B. sind nur für den privaten Gebrauch da (Einzelausnahmen genehmige ich individuell natürlich auch auf Anfragen). So schafft man auch ganz klar eine Regel dafür. Das kann man natürlich auch in die Anleitung schreiben, aber gut geübte Näher(innen) brauchen diese oft schon gar nicht mehr oder beim Durchblättern durch den Ordner fällt einem der Schnitt wieder in die Hände und dann ist es gut wenn es drauf steht. Gerade, wenn die Näher(innen) auch gewerblich unterwegs sind. Und ja, das sind viele! Viele, die auch „schwarz“ verkaufen … was ich persönlich ja so gar nicht verstehen kann, aber das ist ein anderes Thema! Das Draufschreiben schützt natürlich nicht 100% vor der Verletzung des Urheberrechts, aber es schreckt den ein oder anderen vielleicht doch ab.

So ich glaube, das waren so alle wichtigen Punkte zur Beschriftung und auch zur Schnitterstellung. Wie gesagt, wenn ihr Ergänzungen oder Fragen habt. Gerne alles in die Kommentare! Ich habe versucht, so viel wie möglich abzudecken. Sicherlich habe ich aber das ein oder andere vergessen oder ist noch unklar.

Der Teil 2 kommt in zwei Wochen am 20. Februar 2017.

 

3 Kommentare

  1. sonja sagt:

    Liebe Eva,

    vielen dank für diesen tollen, wahnsinnig langen und intensiven Artikel!

    Da steckt sehr viel Arbeit, wissen und knowhow drin! Ich stehe ja noch am Anfang der digitalen Schnittmuster-Erstellung und bin gerade auch am Scheideweg angekommen: arbeite ich mit dem von dir empfohlenen Programm oder mit dem, das ich bisher genutzt habe? Damit kenne ich mich zumindest besser aus!

    Lieber Gruß,
    Sonja

    1. Liebe Sonja,

      ich verstehe dich gut! Habe mich auch lange gegen mein Programm gewehrt. Mein Mann hat sich dann der Sache angenommen und sich da wirklich viel und intensiv rein gelesen. Mit den ganzen Tutorials auf englisch! Er hat da ja überhaupt kein Problem, da er a) Programmierer ist und b) deshalb auch im Fachjargon englisch beherrscht. Ich bin da mit meinem Schulenglisch teilweise schon gescheitert … Allerdings hat er erst Mal eine Einweisung bekommen von mir, wie und was das Programm können muss und vor allem, wie so ein Kleidungsschnitt aufgebaut sein muss….

      Als ich dann das Programm (ansatzweise) verstanden habe, war es gar kein Problem mehr! Es ist eigentlich ziemlich simpel, wenn man weiß für was welcher Button ist und wie man die Maßtabellen anlegt. Ich helfe dir da gerne, wenn du dich doch in die Thematik reinarbeiten willst.

      Dein eigenes Programm ist ja auch super! Und so hätte ich es sonst auch gemacht. Nur ich war zu „faul“ zum händischen gradieren! 🙂 Zumal ich in den Damengrößen ja auch 12 Größen im Normalfall abdecke.

      Es freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat! Ich habe da auch ein bisschen Zeit investiert und beim Schreiben erst gemerkt, dass das schon ein längeres Thema ist. Da könnten locker noch 3-5 weitere Beiträge daraus werden …

      ❤️-lichst Eva

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