Donnerstag, 30. Juni 2016

RUMS: Darf ich vorstellen: Clyde, das Kleid! [Schnittmustertest]

Hallo meine lieben Nähbegeisterten,

schon seit Mai gibt es Clyde, das Tunnelzug-Kleid von UNIKATze. Darüber gestolpert bin ich aber erst letzte Woche, als sich ein Probenähergebnis-Beitrag irgendwie nach oben auf meinem Facebook-Dashboard geschoben hat.

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Mir gefielen die tollen Prbenähergebnisse sehr gut und ich nahm mir vor, am Abend gleich mal nach dem Schnitt zu googeln. Und siehe da, am Abend nach einem weiteren kurzen Blick auf Facebook, habe ich es bei Makerist als gratis Ebook (aber nur für kurze Zeit) gefunden! Noch ist es gratis, also wer es haben will, schnell mal HIER klicken und sichern! 😉 Bei Dawanda gibt es das Ebook auch, aber da kostet es natürlich etwas. (Dort kann man sich auch ein paar Probenähergebnisse ansehen, wenn man kein Facebook hat.)

Am Wochenende habe ich mich dann also gleich mal an das Schnittmuster gemacht und fleißig gedruckt, geschnibbelt und geklebt! Und gestern dann habe ich Clyde, das Kleid dann auch genäht! (Irgendwie habe ich mir anfangs gedacht, was der komische männliche Name denn soll … aber Clyde spricht man ja so ähnlich wie Kleid … ein sehr gelungener Wortwitz, finde ich! 🙂 ) Und ich möchte euch gerne jetzt einen kleinen Bericht zum Ebook, Schnitt und auch meinem Tragegefühl geben.

Allgemeines zu Clyde:

Oben habe ich euch ja schon ausreichend erzählt, wo und wie man das Ebook bekommen kann. Dazu also nicht mehr!

Das Tunnelzug-Kleid Clyde gibt es in den Größen 32 bis 46 und lässt sich aus leichten Kleider- und Blusenstoffen, Viskose, Krepp, Baumwolle, Chiffon sowie auch Jersey und Sommersweat nähen. Es kann mit einem Gummiband-Tunnelzug oder auch mit einem normalen Tunnelzug für Kordel (mit Knopflöchern oder Ösen) genäht werden, was ziemlich cool ist!

Es hat kleine Ärmelchen dran, die oben gerafft werden, und einen ganz femininen Touch dem Kleid verleihen! Die Länge ist auch bei kleineren Damen so bemessen, dass es knapp über dem Knie endet. Und das ist schon mal großartig, denn oft müssen kleinere Damen so wie ich es dann entsprechend kürzen vor dem Säumen. Insgesamt ist das Kleid ein schönes, luftiges Sommerkleid, welches je nach Stoffart edler oder auch total Straßentauglichkeit sein kann!

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Das Ebook und die Anleitung:

Das Ebook hat mit Schnittmuster und Probenähergebnissen insgesamt 43 Seiten und ist damit zwar umfangreich, aber noch in der Norm würde ich sagen. Es ist, neben der Anleitung, der Stoffverbrauch pro Größe, Materialempfehlung sowie -liste, Schnittplan zum Drucken und Kleben sowie eine Größentabelle als Hilfe im Ebook angegeben.

Die Anleitung ist mit Text und Bildern ausreichend beschrieben. An manchen Stellen, würde ich jetzt mal vermuten, ist es aber gerade für Anfänger schwieriger zurecht zu kommen! Denn ich habe schon als fortgeschrittene Näherin den teilweise Text zwei Mal lesen müssen und dann nochmal den Schritt davor und danach studiert. Alles in Allem ist es aber gut machbar und Anfänger sollten sich die Anleitung davor einfach ein paar Mal durchlesen und entscheiden, ob das Projekt für sie geeignet ist.

Schade fand ich, dass im Ebook mit Futterkleid und Beleg auch genäht wird, aber weder das eine noch das andere im Schnittmuster enthalten bzw. erklärt wird, wie man so etwas dann erstellt. Anfänger werden beides bestimmt noch nicht selbst hinbekommen und auch fortgeschrittene Näherinnen tun sich bei solchen Schnittmustererstellungen und -anpassungen teilweise noch schwer! Das ist definitiv ein Minuspunkt. Wie man dann Futter bzw. Beleg einnähen kann, wird aber schön erklärt und das ist ja auch schon mal was! 🙂

Die Ärmel müssen entsprechend gerafft werden, da der Ärmel für den Ausschnitt zu groß ist, und auch hier gibt das Ebook bzw. das Schnittmuster nur schwammig wieder, wie das gemacht wird. Es wird zwar erklärt, dass man abwechselnd rechts und links feststecken und dann in Falten legen soll. Aber ob die Falten nun nach außen oder innen gelegt werden sollen, steht nicht dabei. und auch ab wann man die Falten legen soll fehlt gänzlich. Da wäre eine genaue Markierung im Schnittmuster mit Knipsen für die Falten schon gut gewesen. Im Schnittmuster ist nur eine Welle eingezeichnet, die zwar schön aussieht, aber nicht wirklich hilfreich ist. Dieses Falten legen wird einige Anfänger in die Verzweiflung treiben, hätte es mich zumindest am Anfang!

Bezüglich der Versäuberung erklärt das Ebook auch nicht wirklich viel. Es wird zwar gesagt, was und wie (also Saum, oder gar nichts bei Jersey) versäubert werden kann, aber eine genaue Erklärung gerade für Anfänger ist nicht dabei.

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Das Schnittmuster:

Das Schnittmuster ist in ein Schnittmuster für vorne und hinten zusammen gelegt, in dem man dann einfach den hinteren Ausschnitt abschneidet erhält man das vordere Schnittmuster. Die Idee finde ich eigentlich toll, so spart man gleich mal Papier! Und wenn man dann Clyde nochmal nähen will, klebt man einfach den hinteren Ausschnitt wieder mit Klebestreifen fest.

Im Schnittmuster ist keine Nahtzugabe, die muss man selbst dazuzeichnen oder dann eben mit zuschneiden. Ich mag das ja nicht so, das wisst ihr ja! 🙂 Aber ich habe mir dieses Mal gleich vor dem Ausschneiden des Schnittmusters einfach die Nahtzugabe mit eingezeichnet und dann so ausgeschnitten.

Es ist auf dem Schnittmuster angegeben, welches Teil es ist und auch wie oft es (im Bruch) ausgeschnitten werden muss. Die Markierung für den Tunnelzug sowie die Position der Knopflöcher bzw. Ösen ist auch eingezeichnet und man kann es so übertragen. Toll ist, dass es für den Tunnelzug verschiedene Markierungen gibt für kleine, mittelgroße und große Damen! Welche Markierung man genau benötigt für seine Körpergröße ist im Ebook angegeben.

Was mir jetzt gefehlt hat ist der Fadenlauf. Ich selbst weiß natürlich aus Erfahrung, dass dieser dem Bruch nach verläuft und dass das Muster entsprechend berücksichtigt werden muss, aber einige Anfänger könnten das noch nicht wissen.

Beim Ärmel hat mich etwas verwirrt, dass die Rundung zum Bruch hin wieder enger wird. Ich habe es dann so zugeschnitten und es sah dann ein bisschen wie ein Herz an der oberen Stelle aus. Ich habe mir dann zunächst gedacht, dass ich mich verschnitten habe … und dann nochmal das Schnittmuster aufgelegt … aber es war so schon laut Schnittmuster korrekt. Das hat mir jetzt nicht gefallen und ich habe es gleichmäßiger in der Rundung geschnitten.

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Das Nähen:

Das Nähen ging relativ einfach. Die Anleitung ist, bis auf ein paar Stellen, gut zu verstehen. Ich habe mir mit dem Feststecken des Tunnelzugs etwas schwer getan, da ich da einfach die Anleitung nicht so ganz verstanden habe. Außerdem habe ich den Tunnelzug ca. 2 cm breit dann gemacht. Es ist mit nur einem Zentimeter angedacht, da der aber dann nochmal festgesteppt wird, gehen da nochmal ein paar Millimeter verloren und das fand ich für Kordel oder Gummizug einfach zu eng.

Die Ärmel fand ich auch etwas tricky! Man muss schauen, dass beide Ärmel mit der Faltung gleich sind und ich war mir auch nicht sicher, ob man die Faltung jetzt nach innen oder außen machen soll. Wie es einfach auch besser aussieht! Ich habe dann nach außen gefaltet und das gefällt mir jetzt nicht so gut! Nach innen wäre definitiv schöner gewesen … Aber alles nochmal raustrennen wollte ich jetzt auch nicht mehr!

Versäubert habe ich den Halsausschnitt mit Bündchen und die Ärmel sowie den Saum mit Spitze. Nur säumen oder die Ärmel mit Zickzack einfassen fand ich persönlich jetzt nicht so schön! Gerade bei meinem Stoff.

Zwischendurch war ich auch sehr unzufrieden mit dem ganzen Kleid und war mir nicht sicher, ob es mir gefällt oder stehen wird! Irgendwie war alles so unförmig und ganz anders, wie ich Schnitte normalerweise von der Form her kenne. Am Ende gefiel mir das Ergebnis aber sehr gut und ich denke, mein Clyde wird ein sommerlicher Dauerbegleiter werden! 🙂

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Mein Fazit:

Das Tunnelzug-Kleid Clyde gefällt mir im fertigen Zustand sehr gut und ich kann es mir auch schön aus Jersey oder Sommersweat in Unifarben vorstellen.

Was mir jetzt aber nicht so gut gefallen hat ist die Anleitung, da sie an vielen Stellen einfach zu schwammig geschrieben und die Bilder auf Grund von dunklen Stoffen zu ungenau erkennbar waren. Für eine fortgeschrittene Näherin wie mich ging es dann doch ganz gut und ich habe es dann einfach so gemacht, wie ich es mir dachte. Aber Anfänger werden sich da schon schwerer tun!

Mir gefällt auch das Layout nicht so gut, aber gut! Das ist jetzt einfach Geschmackssache und soll eigentlich nicht in die Wertung für reinfallen! 😉

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich vom Ebook sehr enttäuscht gewesen wäre, hätte ich dafür die ca. 6 Euro ausgegeben! Deshalb bin ich wirklich froh, dass ich das Angebot bei Makerist durch Zufall auf Facebook entdeckt habe.

Ob ich Clyde nochmal nähen würde? Ja, ich würde es noch einmal nähen! Jetzt weiß ich ja, auf was ich achten muss und was ich definitiv anders machen würde. Ob ich mir das Ebook nach jetzigem Stand aber kaufen würde, wenn es nicht bei Makerist gratis gewesen wäre? Definitiv NEIN!

Mein Clyde:

Mein Tunnelzug-Kleid Clyde habe ich aus leichtem Kleiderstoff mit Klatschmohn drauf genäht. Der Stoff ist schwarz, hat aber ungleichmäßige und ovale Tupfen (Tupfen, Tupfen [Insider, gell Mama?!]). Ich habe schwarze Ösen eingeschlagen und ich muss sagen, die Dinger haben es mir jetzt doch noch angetan! Denn ich habe den Bogen endlich raus! 🙂

Ich wollte zuerst eine Kordel bzw. Borte einziehen, aber die hat mir dann vom Farbton nicht gefallen und als Option war eine breitere Zackenlitze da. Aber die lassen sich immer so schwer ziehen, finde ich! Also habe ich dann doch ein schwarzes Gummiband eingezogen und da die Ösen ja schon drin waren habe ich einfach eine Fake-Kordel eingezogen durch die Ösen und ein Schleifchen gemacht. Versäubert habe ich Ärmel und unteren Saum mit feiner, schmaler Spitze und den Halsausschnitt mit schwarzem Rippen-Bündchen.

Alles in Allem gefällt mir das Kleid so richtig gut und es ist sowohl was für feinere Anlässe als auch für den täglichen Alltag (gut, putzen und Gartenarbeit nicht, aber der Rest schon!) gut tragbar. Da kommt es dann eben auf die Schuhe und Accessoires an! 😉

Ich fühle mich in meinem Clyde sehr wohl und der Stoff ist einfach traumhaft schön. Anfangs hatte ich mir Sorgen gemacht, dass das Motiv zu groß sein könnte. Aber das finde ich im fertigen Zustand jetzt gar nicht! Die Spitze macht es nochmal zu etwas besonderem und das Bündchen fällt gar nicht auf, obwohl das ja eher ein Stilbruch jetzt ist.

Zur Bilderflut:

Viele Bilder sind ja schon im Text, denn es war einfach dieses Mal sehr, sehr viel Text! Und da musste es zur Auflockerung rein! 😉 Aber hier gibt es noch ein paar in Komplettansicht!

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Zugegeben, das Kleid hätte ich vorher noch bügeln sollen! Und ihr denkt euch jetzt einfach die Falten weg! Gewaschen habe ich es auch schon gleich noch nach den Bildern und jetzt sind die Falten auch weg! Der Stoff ist übrigens aus dem Fundus meiner Oma und so bleibt mein Clyde definitiv ein Einzelstück bzw. ein KaRToFFeLTiGer-Stück! Denn vom Stoff wäre noch für mindestens zwei Kleider da… mal schauen, wer eine Bestellung aus dem Verwandtenkreis aufgibt! 🙂

Wie findet ihr denn mein Clyde? Habt ihr das Ebook davor schon gekannt oder sogar genäht? Und würdet ihr es gerne nähen? Wie findet ihr denn den Schnitt so, wenn ihr das fertige Kleid sieht? Wäre es etwas für euch? Fragen über Fragen – und ich könnte bestimmt noch ein paar mehr euch stellen! Belasse es aber jetzt dabei und freue mich auf eure Antworten in den Kommentaren! 🙂

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Damit geht es ab zu RUMS, WeWoL und den Montagsfreuden!

8 Kommentare

  1. InaMaka sagt:

    Also an dir finde ich das Kleid sehr schön. Der Stoff gefällt mir auch und finde das große Muster gerade für ein Kleid ideal. Für mich selber würde ich es wohl eher nicht nähen…auch wegen deiner Beurteilung zum Ebook 😉 Ausserdem habe ich bei Kleidern für mich noch eine Hemmschwelle. Ich habe in der Schule mal eins genäht…die Lehrerin half ja beim Zuschnitt und es war komplett verschnitten. Meine Mama hat dann noch mit mir versucht zu retten, was ging, aber das Kleid war wirklich unterirdisch häßlich und hat mir überhaupt nicht gepasst. Also würde ich mir wohl für den Anfang einen ganz anderen Schnitt aussuchen. 🙂
    Lg
    Ursula

    1. Liebe Ursula,

      ja, Kleider muss man mögen und wenn man schlechte Erfahrungen im Nähen ebendieser hat, ist das natürlich noch etwas hinderlicher! 🙂 Aber es gibt auch echt viele Kleider, die sich richtig gut nähen lassen! 😉

      <3-lichst eVa

      1. InaMaka sagt:

        Vielleicht warte ich einfach bis du mal eines entwirfst. 😉 Das hat ja bis jetzt immer geklappt. *lach*

        1. *lach* alles klar, hab den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden 😉 Hab auch tatsächlich eines geplant. Aber ich weiß noch nicht genau, wie es aussehen soll. Also wenn du Wünsche hast, gerne her damit! 🙂

          <3-lichst eVa

  2. Susi sagt:

    Vielen Dank für die ausführliche Besprechung, echt super! Ich hab auch zugeschlagen bei der Makerist-Aktion, aber das Kleid noch nicht genäht.
    Ich finde es immer sehr spannend wie andere einen Schnitt einschätzen und was man beachten muss. Dein Kleid gefällt mir sehr gut und mal schauen ob mich mal ein passender Stoff anlacht.
    Liebe Grüße
    Susi

    1. Liebe Susi,

      Danke für deinen netten Kommentar!

      <3-lichst eVa

  3. Michelle Brandt sagt:

    Hallo.
    Dein Kleid ist wirklich hübsch geworden.
    Ich habe das Schnittmuster auch gratis bekommen und bin fertig mit dem Stoff zuschneiden. Habe vorher schon einiges genäht und rätzel jetzt über die Ärmel. Die Falten sollten doch am Körper anliegen und nicht aussen?

    1. Hallo Michelle,

      Ja die Falten liegen ihnen. Die lange Seite gehört noch innen und ist die Ärmel Rundung. Ich habe beim zweiten Mal einfach mir die Überlänge gerafft mit Framilon, geht aber auch wenn du es kräuselt. Das finde ich besser. Ich habe das mit den Falten sehr umständlich gehalten, saß auch ewig davor… Und dann an Ende auch nicht schön.

      Melde dich wenn du nochmals Fragen hast gerne per Mail.

      ❤️-lichst Eva

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