Dienstag, 17. Mai 2016

Fressen oder gefressen werden … warum?!

Hallo meine lieben Nähbegeisterten,

gerade bin ich vom Einkaufen zurück gekommen und habe mal wieder feststellen müssen, dass die Menschheit im Allgemeinen schon sehr egoistisch geworden ist! Nicht alle und nicht immer, aber oft eben schon!

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Heute hatte ich leider sehr, sehr viele Pfandflaschen dabei. Beim letzten Mal bin ich spontan auf dem Heimweg noch schnell beim Supermarkt vorbeigefahren und hatte sie nicht dabei, weshalb es eben heute die doppelte Ladung war. Ich dachte mir schon irgendwie, dass derjenige hinter mir grummeln wird! Und so war es dann auch, er war etwas angenervt aber höflich. Hat sein Kind schon mal vor zum Beladen des Einkaufswagens geschickt und gewartet.

Als dann auch noch der Behälter des Automaten voll war, mussten wir natürlich warten … und ich dachte mir schon, jetzt wird er noch grummliger! Da meinte er nur: „Ach da kommt sie ja schon!“ Und tatsächlich, die Mitarbeiterin des Supermarkts kam nach nicht mal 30 Sekunden mit einem neuen Behälter. Der Mann hat ihr sogar beim Auswechseln geholfen, so dass wir nach nicht mal einer Minute den Automaten wieder verwenden konnten! Das Verhalten des Mannes hatte mich tatsächlich überrascht! Er war hilfsbereit, hat aber der Mitarbeiterin nicht Danke gesagt. Ich dafür umso lauter, denn mir ist es immer wichtig, den Leuten dies auch zu sagen – auch wenn es ja eigentlich „nur“ ihre Arbeit ist. Es gehört sich so und sie freuen sich immer sehr darüber! Probiert es mal aus! 😉

Das restliche Einkaufen lief so ab wie meistens, Leute stellen ihre Wägen in den Weg oder bleiben abrupt vor dir stehen. Nix neues also! 😀 An der Kasse dann, eine ziemlich lange Schlange! Der junge Herr hinter mir war etwas ungeduldig, hatte auch nur zwei Teile und ging dann nach vorne und fragte nach einer zweiten Kasse. Hat er gut gemacht! Denn so war das Schlangenchaos schnell behoben und wir teilten uns schön brav auf. Ich blieb an der ersten Kasse, da mein Wagen recht voll und schwer zu lenken war. Und ich war auch nur zwei Wägen hinter dem Anfang des Bandes. Nun hatte ich eine Dame hinter mir. Was und wie viel sie zum Bezahlen dabei hatte, viel mir auch gar nicht auf. Ich war sehr schnell beschäftigt mit dem Auflegen meines Wageninhalts. Plötzlich hörte ich gemurmelte Worte hinter mir á la „Hat die viel Zeug, hätte mich ruhig vorlassen können!“. Ich drehte mich so, dass ich sie im Augenwinkel mal betrachten konnte und sah, dass sie eine volle Tragetüte und ein ärgerliches Gesicht hatte. Sie hatte weniger wie ich, aber insgesamt doch recht viel! Hätte sie mich am Anfang meines Auflegens gefragt, ob sie vor drüfte, hätte ich nicht nein gesagt. Auch wenn sie doch etwas mehr wie nur zwei, drei Teile hatte. Aber so mit diesem Kommentar sicher nicht mehr! Und dann fragte ich mich still und leise, warum sie mir nicht einfach geholfen hat? Wenn ich ihr doch scheinbar zu langsam war? Oder warum hat sie nicht einfach die andere Kasse genommen, wenn sie doch sieht, wie viel ich im Wagen habe? Hm … hat sie dann auch wohl tatsächlich noch gemacht, denn beim Bezahlen hatte ich zwei andere Damen hinter mir!

Natürlich habe ich meine PIN der Scheckkarte falsch eingegeben und mir ein „ich hasse es!“. Das tue ich tatsächlich! Ich kann mir einfach nicht den neuen PIN merken seit unserer Hochzeit und ärgere mich jedes Mal aufs neue an der Kasse rum! Die Kassiererin hingegen nahm es gelassen: „Gut, dass nicht nur mir das passiert! Den vergesse ich auch ständig!“ Und die beiden Damen hinter mir meinten auch „Ich hab meine Karte schon seit 40 Jahren und ich kann sie mir immer noch nicht merken!“ und „Den PIN schaffe ich grad noch so, aber Telefonnummern nicht!“. Die Damen haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, kam ich mir doch gleich nicht mehr so doof und den Betrieb aufhaltend vor! 🙂

Auf dem Weg zum Auto fragte ich mich dann, warum nicht alle Leute so nett sein könnten? Warum heißt es immer fressen oder gefressen werden? Und wann ist die Menschheit so egoistisch geworden? Vermutlich waren wir schon immer egoistisch, mussten wir wohl auch sein! Denn in unseren Anfängen hieß es ja echt friss, jage und verteidige dich oder du wirst gejagt und gefressen!

Auf dem Heimweg ging mir dann noch eine Szene aus meiner Kindheit durch den Kopf. Da war ich mit meiner Mutter einkaufen und auf dem Weg nach draußen haben wir im Auto neben uns ein kleines Mädchen entdeckt. Es war ein heißer Tag, wir hatten Eis gekauft und das kleine Mädchen hat sich die Seele aus dem Leib gebrüllt. Die vordere Scheibe war etwas heruntergelassen, aber nur einen Spalt und das kleine Mädchen hat schon ganz nassgeschwitzte Haare gehabt. Meine Mutter hat also mich, damals so um die 10 Jahre bei diesem Auto gelassen und mir aufgetragen mit dem kleinen Mädchen zu reden und sie zu beruhigen. Und sie ist in den Laden zurück und hat die Mutter oder den Vater ausrufen lassen. Alle Leute die vorbei gingen, haben nur geschimpft „Was für eine Mutter macht sowas!“, etc.! Aber keiner der Passanten blieb stehen und fragt mich, ob er mir oder dem Mädchen helfen könne! Meine Mutter kam kurz darauf zurück und wir warteten fast 10 Minuten, bis die Mutter aus dem Laden kam! Diese sagte uns dann, sie wolle nur mal eben schnell irgendwas holen, das Mädchen wäre eingeschlafen und sie wollte sie nicht wecken! Dass sie aber über 25 Minuten im Laden war, hätte sie nicht gedacht und auch nicht, dass das Auto sich so schnell aufheizen würde! Als Kind hatte ich es damals einfach schrecklich gefunden, was das kleine Mädchen durchmachen musste und meine Mutter hat der Dame auch ordentlich was erzählt!

Bei dieser Geschichte frage ich mich heute, wie die Mutter das nur machen konnte? Das Kind unbeaufsichtigt im Auto lassen ist ja schon ein Stück! Aber dann auch noch mitten im Hochsommer, in der prallen Sonne?! Und ich frage mich auch, wie egoistisch und rücksichtslos die Passanten sein konnten? Das war ein Kleinkind im Auto und eine 10jährige davor?! Sicher war es auch von meiner Mutter nicht 100% richtig, mich da zu lassen. Aber so war sie schneller ohne mich und den Einkaufswagen und noch dazu konnte ich das kleine Mädchen etwas ablenken. Und mit 10 weiß man ja auch schon, dass man nicht mit Fremden mitgehen und auf die Straße rennen soll!

Später dann, als ich erwachsen war, gab es eine Reportage über so einen Fall! Erst wurde ein Baby im heißen Auto brüllend hingestellt (ich glaube, dass war so eine Übungspuppe und kein richtiges Baby, den Unterschied hat man von Außen aber nicht erkannt!) und die Reaktionen der Passanten gefilmt. Viele haben rein gesehen und geschimpft, aber nur einer ist Hilfe holen gegangen! EINER!!!! Wahnsinn oder? Das war ein Baby! Ein hilfloser und kleiner Mensch! Und dann haben sie ein Auto mit Hund hingestellt! Der Hund hat natürlich auch gebellt und auf sich aufmerksam gemacht. Die Reaktionen der Passanten haben die Reporter und auch mich wirklich erschreckt! Fast alle haben rein gesehen und geschimpft und über die Hälfte haben Hilfe geholt! Bei einem Hund! Ich verstehe die Menschen einfach nicht!

Ich meine, versteht mich nicht falsch, auch einen Hund sollte man nicht im Auto bei Hitze lassen und jedes Leben ist wichtig und kostbar! Aber sollte das Baby nicht doch auch mindestens genauso viel Hilfe bekommen? Sollte man nicht bei so einer Situation, egal ob Hund oder Kind, sofort Hilfe holen?

Fragt euch mal selbst, ob ihr bei folgenden Situationen helfen oder wie ihr reagieren würdet! Eine alte Frau im Supermarkt kommt nicht an die obersten Sixpacks vom Wasser ran? Würdest du es ihr runter holen und in den Wagen packen? Eine junge Mutter und ihr Kind verlieren aus dem Kinderwagen heraus einen Schnuller oder Schuh und du gehst genau dahinter? Einem Mann fällt die Tüte, der Geldbeutel, etc. runter. Hilfst du ihm beim Zusammenklauben der Sachen/des Geldes? Ein kleineres Kind läuft einsam und etwas hilflos an dir vorbei. Nirgendwo ist eine Aufsichtsperson erkennbar. Würdest du es ansprechen und fragen, ob es Hilfe braucht? Ein Tier, egal ob Haus- oder Wildtier, hat sich irgendwo verheddert. Würdest du ihm helfen oder jemanden verständigen, der hilft? Jemande frägt dich, ob er sich kurz dein Handy leihen kann um jemanden zum Abholen zu verständigen. Gibst du es ihm? In der Apotheke steht eine alte Frau, etwas heruntergekommen in verschlissener Kleidung. Man sieht ihr an, sie hat nicht viel Geld und hält sich nur mit Mühe und Not über Wasser! Sie braucht dringend die Medikamente aber sie hat nicht mehr genug Geld dafür, weil der Hersteller den Preis erhöht hat bzw. sie sagt dem Apotheker, das sind ihre letzten 10 Euro für den Monat und es ist erst der 15. des Monats. Würdest du ihr die Medikamente bezahlen? Würdest du vielleicht ihr sogar noch darüber hinaus Hilfe anbieten und ihr etwas zusätzlich zustecken oder mit ihr Essen einkaufen gehen?

Warum lächelt ihr nicht das nächste Mal einfach die Verkäuferin oder einen traurig blickenden Menschen auf der Straße an? Und schenkt ihm etwas Freude! Das tut euch nicht weh und kostet auch nichts, aber kann so viel für den anderen bedeuten und seinen Tag verschönern!

Fragt euch das mal … ihr müsst es auch nicht in den Kommentaren beantworten! Fragen, nachdenken und vielleicht auch umdenken genügt mir! Das war jetzt ganz schön viel Text, aber ich musste das jetzt gerade im Moment mir einfach von der Seele schreiben! Danke für das Lesen bis zum Schluss und das Erdulden meiner vielleicht auch verworrenen Gedankengänge!

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4 Kommentare

  1. F2 sagt:

    Recht hast Du! Mehr brauch ich wohl nicht zu sagwb sagen…

  2. Susi sagt:

    Liebe Eva,

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Diese Rentner haben es doch (eigentlich) eh nicht eilig und auf die Hilfe von Passanten kann man sich ja, wie in etlichen Test bewiesen, auch nicht verlassen!
    Ich finde es einfach traurig, was mit dieser Welt passiert.
    Auch wenn ich erst 17 bin, stört mich das Verhalten einiger Mitmenschen so gravierend, dass ich gar nicht weiß was ich noch sagen soll.
    Wenn alte Menschen zum Beispiel aus dem Bus aussteigen wollen oder Einkaufstaschen schleppen müssen finde ich es selbstverständlich sie zu fragen ob sie Hilfe benötigen.
    Anscheinend bin ich da die Einzige in einem völlig überfüllten Bus oder im ganzen Supermarkt.
    Traurig.
    Echt traurig.
    Oder auch diese ständigen Beleidigungen und Schimpfwörter (auch wenn das nur indirekt was mit dem Thema zu tun hat, zur Unhöflichkeit zählt das trotzdem) finde ich furchtbar.

    Die Welt ändern als eine durchschnittliche Person kann man ja leider nicht.
    Versuche weiterhin positiv zu bleiben und deinen Mitmenschen Höflichkeit und Aufmerksamkeit sowie Hilfsbereitschaft mitzugeben.

    Alles Liebe,
    Susi

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