Sonntag, 24. April 2016

Fashion Revolution Day 2016 [because, this is not okay!]

Hallo meine lieben Nähbegeisterten,

heute gibt es keinen Bericht zu meiner PFAFF, sondern etwas anderes. Ein Thema, das uns alle angehen sollte, uns zum Nachdenken anregen muss und gerade für uns NäherInnnen ein im Gedächtnis zu behaltender Tag ist! Denn heute ist “Fashion Revolution Day”, das ist keine Erfindung der Textilindustrie um die Mode zu feiern! NEIN- vielmehr ist es ein Gedenken an Näherinnen, die unter teils katastrophalen Umständen zu Hungerlöhnen arbeiten müssen. Und sogar dafür ihr Leben riskiert haben … denn dieser Tag – der 24. April! – ist nicht willkürlich gewählt worden!

Viele erinnern sich vielleicht noch an einen Bericht, der vor drei Jahren eher als Randerscheinung durch die Medien ging und von einem Hauseinsturz in Bangladesch erzählte. Illegaler Bau, schlechte Statik, Einsturz, Tote … tragisch, aber so weit weg! Das haben sich sicher einige – auch von euch -gedacht, seit mal ehrlich, oder?!

Ich gebe es nämlich zu, genau das war es für mich damals! Denn was in den Medien aber nicht oder nur am Rande erwähnt wurde, ist eine tragische und traurige Geschichte, wie Menschen ausgenutzt und Gefahren ausgesetzt werden, nur damit wir billige Kleidung kaufen können, die wir hin und wieder mal tragen und dann irgendwann einfach wegwerfen! Was diese Geschichte aus meiner Sicht noch viel, viel trauriger macht!

Damals habe ich noch nicht das Nähen angefangen. Das Bewusstsein über Stoffe, Kleidung und welche Arbeit dahinter steckt, war mir da noch nicht bewusst. Weshalb mich vermutlich damals … ignorant wie ich war, auch das gebe ich gerne zu … auch das Schicksal hinter dieser Geschichte nicht sooo bewegt hätte, wie sie es jetzt tatsächlich heute tut!

Ich habe die letzten Tage viel recherchiert und versucht, euch die Thematik so wahrheitsgetreu zu vermitteln, wie es mir möglich ist. Entschuldigt, wenn etwas davon nicht 100% stimmt, denn es gibt wirklich viele Berichte und Artikel darüber.

Die traurige Geschichte und die Wahrheit

 
CC BY-SA 2.0 File:Dhaka Savar Building Collapse.jpg von rijans über Flickr

Am 24. April 2013 stürzte in Savar nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka das neunstöckige Gebäude “Rana Plaza” zusammen, welches eine Bank, mehrere Läden und fünf Textilfabriken beherbergte. Das Gebäude hatte eine Besonderheit, denn es war kurz zuvor um 3 Stockwerke erweitert worden, ohne Baugenehmigung und somit auch ohne statische Kontrollen. Unglaublich!

Am Tag zuvor, am 23. April, wurden Risse unter andrem auch von den Näherinnen in den Mauern des “Rana Plazas” entdeckt, woraufhin das Gebäude evakuiert wurde. Natürlich blieben die Bank und die Läden am nächsten Morgen geschlossen, es wäre einfach zu gefährlich, zu unsicher, in diesem Gebäude zu arbeiten!

Allerdings hatte der oder die Inhaber der Nähfabriken Termindruck, denn wer für die großen und internationalen bekannten Modeketten produziert, die Saisonware verkaufen, muss Termine einhalten! Tragisch, wenn wir erst im September oder Oktober anstatt August die neue Herbstmode kaufen könnten, oder?! Also musste genäht und produziert werden!

Die Näherinnen weigerten sich in das einsturzgefährdete Gebäude zu gehen und zu arbeiten. Also wurden die Arbeiterinnen gezwungen in das Gebäude zu gehen, denn wenn sie nicht arbeiten gehen würden, bekommen sie keinen Lohn und verlieren ihren Job! Das wäre für die Näherinnen natürlich fatal, denn Bangladesch ist ein bettelarmes Land. Mit den Löhnen ernähren die Näherinnen ihre Familien bzw. tragen einen sehr großen Anteil dazu bei.

Also gingen ca. 3.500 Näherinnen in das evakuierte und eigentlich gesperrte Gebäude – dass sie ein ungutes Gefühl hatten, muss ich euch natürlich nicht sagen! Aber was sollten sie machen? So ist die Welt eben, wenn man am kürzeren Hebel sitzt. Traurig, einfach nur traurig!

Die Näherinnen waren gerade erst an der Arbeit, als der Strom ausviel und keine Minute verging, als das Gebäude einstürzte und sie alle unter sich begrub! Diejenigen, die Glück hatten kamen mit ein paar Verletzungen davon, viele von ihnen verloren Armen und/oder Beinen (und somit konnten sie auch nicht mehr arbeiten). Es waren 2.438 Näherinnen! Und die, die klein Glück hatten, es waren 1.127!, verloren ihr Leben!

Über 1.000 Frauen starben, weil ein Liefertermin wichtiger war als ihr Leben! Weil Kleidung wichtiger für die westliche Welt ist, wie die Menschen, die sie produzieren! Denn viele kennen und wissen nicht, was diese Frauen täglich unter schlimmen Bedingungen leisten. Wie viel Arbeit hinter jedem Kleidungsstück steckt.

Jeder von uns ist in der Pflicht!

Doch wir, die die Ehre und das Glück haben, nähen als unser Hobby zu betrachten oder sogar gut davon leben können, wenn wir ein Gewerbe haben, verstehen es!  Und wir sind auch mit in der Pflicht, diesen Näherinnen zu helfen – auch wenn wir vielleicht nicht so viel erreichen können, wie wir gerne möchten!

Deshalb hat sich Susanne von “mamimade” dieses Jahr folgende Aktion ausgedacht, die ich euch auch schon mal vorgestellt habe und ihr lange rechts im Blog eingeblendet gesehen habt:

Fashion Revolution Day Aktion!

(Text von Mamimade)

Lasst uns den Leuten zeigen, was Nähen ist. Lasst uns ihnen sagen, was Nähen bedeuten kann. Macht ein Bild von euch an der Nähmaschine, schreibt einen Post darüber, wie es ist, wenn man näht. Schreibt, was das Nähen für euch bedeutet und was die Stücke wert sind, die ihr erschafft.

Ich weiß schon: nähen ist unser Hobby. Es ist nicht dasselbe, wie industrielles nähen. Aber der Outcome ist derselbe: Kleidung. Nähen ist unser Knotenpunkt zu den Frauen, die da gestorben sind.

Also:

– Postet euer Foto.

– Auf eurem Blog, auf Facebook, Instagram, Twitter. Oder einfach überall!

– Ihr habt Zeit bis zum 25. April mittags.

– Verlinkt euch hier auf dem Blog (am Ende des Posts).

Hashtags sind #wearesewing und #fashionrevolution. Die Linkparty ist ab sofort geöffnet und bleibt es bis zum 25. April mittags.

Seid dabei! Teilt! Macht mit!
Näherinnen für Näherinnen!
Sie haben genäht, wir tun es noch!

Mein Beitrag zur Aktion

Der Text oben ist nicht der eigentliche Beitrag von mir zur Aktion, denn all das könnt ihr auch anderswo nachlesen …. aber er musste einfach von mir mit erwähnt werden, denn nur so kann ich auch dafür mit Sorge tragen, dass der Ernst und der Sinn dieses Posts und der ganzen Aktion erkannt wird.

Susanne schreibt, wir sollen zeigen was Nähen ist, was es bedeutet – für uns selbst! Diese Frage habe ich mir auch seit ihrem Post vor einem Monat gestellt! Die unterschiedlichsten Gedanken gingen mir dazu durch den Kopf. Aber im Wesentlichen bedeutet Nähen für mich nicht nur ein Hobby! Es ist mehr meine Leidenschaft, das was ich am Liebsten mache, bei dem ich kreativ sein kann, ich sein kann! Zeit, die ich mir nehme um vieles zu verarbeiten, nachzudenken, abzuschalten, Dampf abzulassen.

Vor drei Jahren habe ich noch nicht genäht, denn ich bekam meine Nähmaschine erst Weihnachten 2013. Da war nähen nur ein kleiner Zeitvertreib für mich. Ein paar Stoffe, ein bisschen Garn und ein paar benötigte Utensilien. An Bedeutung hat es dann am dem Frühjahr gewonnen, aber auch da war es immer noch ein netter Zeitvertreib. Allerdings ab Herbst, als ich auch mit dem Blog anfing, wurde es mehr und mehr ein wichtiger Zeitvertreib! Nähen hat mir über eine schwere Zeit hinweg geholfen, war oft mein einziger Rettungsanker um irgendwie meinen Gedanken zu entkommen, mich abzulenken! Heute ist nähen für mich nicht nur Hobby, es ist auch ein Teil meiner Arbeit die ich gerne mache! Ich schreibe darüber, versuche anderen das Nähen näher zu bringen durch meine Videos und sehe jedes Kleidungsstück im Laden mit anderen Augen!

Ich habe durch das Nähen viel gelernt. Nicht nur über das Handwerk an sich oder auch wie viel Arbeit dahinter steckt. Ich habe viel über mich selbst gelernt, was ich alles erreichen kann und wie viel ich mir selbst beibringen konnte. Wie viel Glück man erleben kann, wenn man ein fertiges Teil in der Hand hält und auch wie viel Stolz man fühlt, wenn ein anderer seine Sachen lobt.

Wie wenig die Nicht-Näher (und leider auch einige Näher) doch alle Stoffe und die Kleidung zu schätzen wissen oder wie man auch von manchen angesehen wird, wenn man sagt “Ich nähe!” oder gar “Das Shirt hab ich mir selbst genäht!”, erfahre ich leider öfter als mir lieb ist. Ja, das Bild bei manchen U30ern ist leider oft so, dass die gar nicht verstehen können, warum man das macht oder welchen Wert das hat!

Vor kurzem habe ich folgendes von einer knapp 20-jährigen dazu gehört: “Nähen! Das mach ich bestimmt nicht!” Der Ton war sehr abwertend und entrüstet und das Lächeln dazu war herablassend… und unterschwellig hörte man noch raus “das ist nicht cool genug”. Das war eigentlich für alle von uns, die nähen sehr gemein! Und am gemeinsten doch für die Näherinnen, die täglich die Läden füllen! Und es hat mir leider auch mal wieder gezeigt, wie wenig WERT diese Arbeit bei manchen einfach hat! Traurig! Einfach nur traurig!

Ich hoffe, der ein oder andere denkt über diesen Post nach, über sein Verhalten in Bezug auf Kleidung und Nähen und auch daran, was hinter der neuen Hose oder des neuen Kleides steckt! Vielen Dank für das Lesen des Posts! Ich weiß, er ist ja sehr lang … aber was raus muss, muss raus! 🙂

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verlinkt beim “Fashion Revolution Day” von mamimade

10 Kommentare

  1. Hallo EvA,
    auch ein sehr schöner Beitrag zum Thema. 🙂
    (Auch wenn ich ein bisschen gehofft hatte, heute mal dem Tigerchen in die Augen schauen zu können. 😉 ) Aber darum geht es ja heute nicht und ich finde es toll, dass einige mitmachen, die ich "kenne" .
    Liebe Grüße
    Ursula

    1. Liebe Ursula,

      vielen Dank! Ja, auch hier gibt es mein Gesicht mal wieder nicht zu sehen! Es bleibt also spannend für euch! 🙂

      Ja, ich finde es auch toll, dass viele dabei sind, die ich kenne!

      <3-lichst eVa

  2. Gemeinsam sind wir stark! Und wir werden mehr!

  3. Liebe Eva,

    ich finde es richtig klasse, dass du bei der Aktion mitmachst!
    Hut ab!!! Wenn alle mitmachen würden, wäre das ein riesiger Erfolg für uns alle. 😉

    Liebste Grüße,
    Annette

    1. Liebe Annette,

      ja, wenn alle mitgemacht hätten, wäre das wirklich ein riesiger Erfolg gewesen! Aber dafür sind wir Nähblogger zu viele und viele kennen die Aktion leider gar nicht! Schade!

      <3-lichst eVa

  4. mamsell su sagt:

    Liebe Eva! Ein toller Beitrag! Den hast du super geschrieben! Ich muss mich Ursula aber anschliessen, war ja so gespannt darauf, wie du aussiehst! 🙂 Aber du hast ein sehr schönes Foto!

    Lieben Gruß,
    Susanna

    1. Liebe Susanna,

      ja, da hab ich euch mal wieder eins ausgewischt! Aber das Nicht-Zeigen hat auch einen Grund … so bleibt es spannender! Nein, ehrlich gesagt mag ich die Anonymität ganz gerne … ich bin ja recht aktiv online und möchte einfach so auch mein Privatsphäre etwas schützen! Ich hoffe, ihr versteht das! Vielleicht gibt es irgendwann ja doch noch mal mich in komplett … man weiß ja nie! 😉 Und auf Facebook gab es das auch schon, als meine liebe Hochzeitsfotografin Bilder von uns mit Markierung veröffentlicht hat … also stöbert doch einfach mal! *lach*

      <3-lichst eVa

    2. Das war jetzt aber fies *lach* ich bin doch gar nicht auf Facebook 😀

      Liebe Grüße
      Ursula

    3. hm … dafür gibt es heute Fast-Gesichtsfotos für dich! 😉

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